August 2025 – KORSIKA UND DIE KORSEN

« Eine Seefahrt, die ist lustig … » so man denn in dem riesigen Hafen von Marseille die richtige Anlegestelle der Corsica Ferries gefunden hat !! Wir brauchen eine geschlagene Stunde dazu, denn die Schilder, die zu unserer Fähre führen, sind so klein, dass wir sie beim ersten Anlauf glatt übersehen. Bei 36 Grad im Schatten ist die Wartezeit von zweieinhalb Stunden, bis wir endlich aufs Schiff fahren können, eine Tortur, nur durch die Klimaanlage im Auto etwas gemildert. Aber dann wird es wieder lustig, uns in der kleinen Kabine nebst Duschbad einzurichten und die Fähre zu erkunden.

Wir fahren aus dem Hafen und an der « Bonne Mère », dem Wahrzeichen der Stadt, vorbei, nehmen einen Aperitif an Deck und warten dann brav als quasi Erste in der Schlange, die sich vor dem Bordrestaurant bildet. So bekommen wir den schönsten Tisch am Fenster und ein sehr leckeres und nicht überteuertes Essen. Danach genieβen wir den Sonnenuntergang über dem Meer bei einem Glas Wein. Das Beste vom Tag : wir schlafen klüger ein, als wir aufgewacht sind, denn wir haben herausgefunden, wie man GPS-Daten in unser Navi eingibt !!

Am Morgen weckt uns die kräftige Stimme des Kapitäns in der (leider sehr schlechten) Bordanlage, der uns mitteilt, es sei 6 Uhr und wir kämen in einer Stunde in Ajaccio an. Husch, schnell unter die Dusche und zum Frühstück und dann den Morgenhimmel, die Kette der Berge und die langsam immer grösser werdende Stadt bewundern. Korsika ist die Insel Frankreichs  mit den meisten Bergen, die bis 2700m Höhe erreichen.

Pünktlich um 7 h laufen wir im Hafen von AJACCIO ein.

Uns erwarten 135 km zuerst auf einer relativ geraden Strecke, aber als wir dann in die Berge kommen, gibt es nur noch Kurven !! Wir brauchen mehr als die drei Stunden, die wir veranschlagt hatten, denn die Korsen rasen wie die Verrückten, so dass die vorsichtige Mi immer weniger schnell fährt. Wir kommen durch ein Dorf, in dem Markt ist und da zu viele Autos in der einzigen Hauptstraβe parken, muss eine Frau auf einem Plastikstuhl Polizei bzw. Ampel spielen und wir müssen warten, bis die Bahn für uns frei wird…. Man lernt doch nie aus.

In einem anderen kleinen Ort sehen wir in einer sehr gefährlichen Kurve ein riesiges Schild mit der flehentlichen Bitte (so kommt es uns vor) « Zu verkaufen !».Wer weiss, wie viele Schaufenster dort von Autos, die im wahrsten Sinne des Wortes die Kurve nicht kratzen konnten, zu Bruch gegangen sind.

Mireille ist leicht erschöpft, als wir endlich ankommen und mir schmecken die rund 20 Stufen – jede davon verschieden hoch ! – die ich an dem Abhang überwinden muss, auch nicht. Aber unser Studio ist nett und mein Badezimmer ist super. Mimis Schlafzimmer liegt einen Stock tiefer und auch sie hat ihr Bad, beide haben wir einen Klimaanlage, was sehr gut ist, denn hier sind Mitte August noch satte 29 Grad abends.

Vom Balkon haben wir schöne Ausblicke auf das Tyrrhenische Meer.

Wie gut, dass wir uns ein halbes Dutzend Bücher mitgebracht haben, denn hier gibt es weder Radio noch Fernsehen und auch kein Wlan – nur unsere Handys verbinden uns mit der Umwelt.

Am Nachmittag wollen wir nach Porto Vecchio zum Supermarkt fahren – und schon geht es los mit den « rasenden Korsen ». Wir müssen nämlich einen steilen Hügel hinunter bis zu der sehr befahrenen Seestraβe nehmen. Leider haben wir quasi keine Einsicht nach links, wo die Autos nur so aus der Kurve heraus schieβen, noch nach rechts. Zum Glück müssen wir sowieso nach rechts zur Stadt, aber wir schauen uns sofort nach einer Möglichkeiten zum Umkehren ohne Problem, da die Strände alle in der Gegenrichtung liegen…. Als wir am Nachmittag mit unserer Gastgeberin darüber reden und fragen, warum es in dieser gefährlichen Ausfahrt keinen Spiegel gäbe, sagt sie mit fatalistischem Achselzucken : « Oh, es gab schon einen, aber den haben sie kaputt geschossen ! »

Dazu muss man Folgendes wissen : Korsen sind hochgradig allergisch gegenüber den Gesetzen, die die französische Regierung verordnet, also z.B. Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Überholverbot. Sie mögen so ziemlich keine andere Nation, die Italiener vielleicht ausgenommen, da die beiden Sprachen sich sehr ähneln. Die «Anderen» sind nur Touristen, die gerade gut genug sind, um ihnen das dringend benötigte (!!) Geld in den paar Sommermonaten aus der Tasche zu ziehen, denn von Ende Oktober bis Ende April ist Schluss mit lustig.

 Wir erfahren gleich am nächsten Morgen, wie das geht. Zuerst fahren wir zum Strand PINARELLU, der besonders schön sein soll, wo man umsonst parken kann und wo es Schatten unter den Kiefern gibt. Tja, das haben die anderen Leute, die offenbar schon um 9 Uhr morgens ankommen, sich auch gesagt : es gibt keinen einzigen freien Parkplatz und so müssen wir umdrehen.

Der Strand von SAN CIPRIANU hat den Vorteil, dass wir immer einen Parkplatz finden (wenn auch nur in der prallen Sonne), der nicht teuer und noch dazu von 12-14 h kostenlos ist. Der Sandstrand ist sehr groβ, schön geschwungen und die Bucht wird überragt von einem uralten genuisischen Wachturm. Hier gefällt es uns auf Anhieb.

Wir fragen gleich im ersten Restaurant nach dem Preis der Liegen und die unfreundliche Vermieterin sagt kurz angebunden « 20 Euro pro Liege und wir akzeptieren weder Kreditkarten noch Schecks, nur Bargeld. » Ach nee… !

Da wir recht spät dran sind, haben wir Mühe doch noch ein schattiges Plätzchen im Sand unter Bäumen zu ergattern, aber ich bin ja in solchen Situationen ausgesprochen dickköpfig und werde wieder einmal belohnt mit diesem schönen Ausblick durch die Bäume auf das Meer.

Selbiges ist wunderbar sauber und angenehm kühl. Bis auf die letzten beiden Tage können wir jedesmal schwimmen und dann ein Stück « longe côte » gehen, also parallel zum Strand aber im Wasser, was auf dem feinen Sand richtig Spaβ macht.

Da wir jeden Morgen ein üppiges Frühstück zu uns nehmen, haben wir uns für mittags eine Melonenkur verordnet und ich schneide sie jeden Morgen eine am Vorabend von Mi ausgesuchte  in mundgerechte Häppchen. Natürlich haben wir Wasser dabei und unsere gemeinsame Kasse spendiert uns als Nachtisch ein wunderbar cremiges Vanille-Karamel-Eis, das Mi uns in dem kleinen  Restaurant « Le Spot » holt, das nur wenige Schritte entfernt ist.

Nachmittags kaufen wir dann in einem Laden, der am Weg liegt, Obst und Gemüse ein und wenn wir keine Lust zum Kochen haben, die typischen korsischen Spezialitäten. Abends spielen wir auf unserer Terrasse bis zum Dunkelwerden und darüber hinaus mit einer starken Lampe. Das Licht zieht leider Mücken und — Hornissen an ! Da wir die Tür zum Studio offen gelassen haben, denn es ist immer noch sehr warm, fliegen zwei Hornissen hinein und ich werde beim Versuch, sie wieder nach drauβen zu befördern, von einer so in den Daumen gestochen, dass ich den Lappen vor Schreck und Schmerz fallen lasse. Sofort hole ich mir einen Eiswürfel, um meinen lädierten Daumen zu kühlen. Leider hilft das gar nicht und ich muss eine Schmerztablette nehmen, um schlafen zu können. Am nächsten Morgen liegen zwei tote Hornissen auf dem Küchenfuβboden und ich weine ihnen keine Träne nach.

Ich bin natürlich doch etwas angeschlagen, denn der Daumen tut immer noch weh (allerdings haben wir Alkohol und eine spezielle Creme in der Apotheke besorgt) und ich möchte doch, wenigstens für heute, eine Liege. Wir fragen in dem feinsten Restaurant des Strandes nach und bekommen zur Antwort : « 25 € pro Liege die Stunde, 60€ pro Tag » !!! Die spinnen hier wirklich, denn nur 30 m weiter liegt unser « Spot » Restaurant und da gibt uns die nette Eigentümerin eine Liege für 15€ pro Tag, das ist durchaus akzeptierbar.

So vergehen die Tage mit Schwimmen, Lesen, Dösen und Lästern über die grässliche Mode des « Brasilianischen Bikinis », den sich wirklich NUR junge gut gebaute Mädchen und Frauen leisten können (was leider leider viel zu selten der Fall ist !). Badeferien eben. Im vierten Anlauf gelingt es uns dann  tatsächlich, den Strand PINARELLU zu besuchen, denn in der zweiten Augusthälfte fahren viele Franzosen zurück auf den Kontinent, wo in ein paar Tagen die Schule wieder anfängt.

Diese Bucht ist noch gröβer als Ciprianu und ebenfalls sehr schön. Sie ist auch erhebliche flacher als « unsere », was zur Folge hat, dass sich hier viiiiele Familien mit lärmenden Kindern UND Hunden tummeln, obwohl letztere verboten sind. Aber wir wissen ja nun, was man auf dieser Insel von Verbotsschildern hält.

Auβerdem muss man sehr weit laufen, um überhaupt schwimmen zu können. Also werden wir morgen reumütig zu unserem Strand zurückkehren. Doch am Abend kommt das Gewitter.

Wir kamen noch recht glimpflich davon, aber im Norden der Insel  – über 150 km von Porto Vecchio entfernt – tobte es so heftig, dass die Flugzeuge nicht in Bastia landen konnten und nach Marseille zurückkehren mussten. Am nächsten Tag war unser Strand – weg ! Das Wasser schlug Nordsee-Wellen und beruhigte sich erst tags darauf. Leider hatte das Unwetter aber noch eine andere Folge : die Quallen, die an den Stränden von Bastia bisher ihr Unwesen trieben, sahen in den Wellen ein prima Verkehrsmittel, um zu uns in den Süden zu gelangen.

Und so konnten wir am letzten Tag nicht mehr schwimmen, denn eine Frau kam mit der Mitteilung, dass sie in ihrem Eimer schon 300 Quallen gefangen hätte….

Am Abfahrtstag blinkt es auf einmal in Mimis neuem Auto : offenbar hat ihm die tägliche Hitze auf dem Parkplatz doch so zugesetzt, dass ein bisschen Luft in den reifen ihm gut täte. Da wir noch viel Zeit haben, bis wir auf unsere Fähre können, halten wir an einer Tankstelle und fragen nach dem Schlauch, der die Pumpe mit dem Wagen verbindet. Korsische Antwort : « Das tut mir leid, aber den haben sie uns gestohlen !! »

Was uns allerdings nicht hindert, am letzten Abend das gleiche gute Mahl zu genieβen, braungebrannt und gut erholt !                                                

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