Meine beste Freundin hatte mich gebeten, ungefähr auf der Hälfte der 750 Kilometer, die es von SAINT MAUR bis VENASQUE sind, auf dem Hin- und Rückweg jeweils eine nette Bleibe für die Nacht zu finden. Also machte ich mich emsig an die Arbeit und wurde auch schnell fündig.
Noch dazu in einer Gegend, in der wir quasi noch nie waren : im Südburgund, in der umgebauten Mühle von SAINT VERAND. Wir bekommen ein kleines aber feines Zimmer mit einer Karaffe ausgezeichneten Wassers und schönen Bildern an den Wänden.

Durch das geöffnete Fenster können wir hören, wie es draußen zu tröpfeln beginnt und das ist eine wirkliche Freude nach genau 3 MONATEN ohne Regen ! Wir bekommen ein sehr gutes Abendessen mit einem feinen Beaujolais Chiroubles 2024 von Romuald Petit. Danach darf ich im Garten meine Zigarette rauchen und bleibe nicht lange alleine, wie das Bild zeigt (ohne, dass ich sie dazu aufgefordert hätte !!).

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne wieder, was sie kann – und wir fahren erst einmal « mit der Kirche ums Kreuz », was wir aber in diesem Fall genießen, denn diese Gegend ist reizvoll und lädt zum Wiederkommen ein ! Überall werden schon die Trauben geerntet – ich fürchte aber, dass es gar kein guter Jahrgang wird.

Die folgenden Stunden sind rundherum grässlich, denn wir müssen zurück auf die Autobahn, wo wir leider nur Schritt fahren können, so voll ist sie. Erst im Süden von Montelimar können wir auf unsere geliebten kleinen Nebenstraßen ausweichen. Und da sehen wir etwas sehr Erstaunliches : hier ist alles grün, gar nicht so verbrannt, wie überall bei uns im Norden ! Die Landstraßen sind fast alle gesäumt von Laubbäumen und riesig hohen Rohrpflanzen – die brennen einfach nicht. Auch hier sehen wir rechts und links die Weinfelder mit den Tricastin-Trauben, von denen die meisten noch dran sind. Und dann kommen auch meine Freunde – BONJOUR les cyprès, wir sind endlich wieder im Reich der Zypressen !
Na, und wenn erst die DENTELLES DE MONTMIRAIL in Sicht kommen, sind wir schon fast da.

Und wirklich nehmen wir schon um 17 Uhr unseren « Gîte » in Besitz, nachdem wir von Caroline zum Empfang gebührend herzlich abgeküsst worden sind. Sie hatte uns, als wir zum ersten Mal kamen, eines ihrer Hotelzimmer gegeben, doch da bekamen wir ab 5 Uhr morgens kein Auge mehr zu, da es an der vielbefahrenen Straße nach CARPENTRAS lag. Die letzten zweimal hatte sie uns in einem winzigen Zimmer in dem Nebengebäude, wo ihre 78jährige Mutter wohnt, untergebracht. Das war aber auch nicht das Gelbe vom Ei, denn wir mussten früh raus und mit Madame Mère frühstücken (danach geht sie nämlich sofort einkaufen…).
So freuen wir uns umso mehr, dass wir in diesem Jahr ein gar nicht so kleines Häuschen für uns alleine haben – gebühren weit von der Straße entfernt. Und zum Pool sind es auch nur 30 Meter, juhu !

Unser Ferienhäuschen, konzipiert für ein Paar mit Kind (daher drei Einzelbetten), ist wirklich sympatisch – mit seinem Kirschenfries an den Wänden – und wir haben alles, was wir brauchen. Draußen gibt es für uns eine kleine Veranda mit Tisch und Stühlen, und davor im Gras, sogar noch einen kleinen runden Tisch mit Stühlen, um den Blick auf den gegenüber liegenden Berg zu genießen.

Mi mag besonders, dass sie ihre rote KIA sehen kann und ich liebe die einsame Zypresse dort oben !
Natürlich fahren wir hinauf nach Venasque, um in unsrem geliebten LES REMPARTS-Restaurant zu essen. Leider bekommen wir nur noch den Katzentisch in einer Ecke, denn es ist Freitag Abend und das Lokal ist ausgebucht. Daher reservieren wir gleich einen Vierertisch auf der Terrasse für Montag Abend, denn Mi hat ihren Cousin Guy und seine Frau Brigitte eingeladen und sie ebenfalls für eine Nacht im Hotel von Caroline untergebracht.
Am Sonntag machen wir uns auf zum Markt von MORMOIRON, so typisch mit sehr gemischtem Publikum und netten Händlern. Mi kauft ein gebratenes Huhn nebst den dazugehörigen Kartoffeln für unsere Gäste morgen Mittag und ich kümmere mich um das Obst : Aprikosen, Mirabellen und Pflaumen, alles zum traumhaften Preis von 3 € das Kilo !
Bei mir da oben komme ich unter dem Doppelten nicht weg.

Auf dem Rückweg schauen wir bei dem Mann vorbei, der immer die tollen ROMA-Tomaten hat, die sind nämlich die besten für meine geliebte « Tarte Tatin à la tomate ». Und er hat sie zum sagenhaften Preis von 2 € das Kilo !!
Den Nachmittag verbringen wir lesenderweise im Halbschatten der Kirsch- und Olivenbäume mit dem schönen Blick auf den Pool, den Garten und den Wald dahinter. Es ist herrlich entspannend, solange wir alleine sind. Leider müssen wir später dem Lärm von zwei unerzogenen deutschen Gören weichen, denen der Vater seelenruhig zusieht.

Die 24 Stunden mit Guy und Brigitte sind sehr angenehm, sie sind begeistert von Mis Huhn und dem Obst, von ihrem Zimmer und dem üppigen Frühstück, das Caroline auf ihrer Terrasse serviert. Aber mit der Terrasse vom Rempart wird es auch am Montag abend nichts.

Ein groβes Gewitter ist angekündigt, welches sich auch pünktlich um 21 h entlädt.Wir haben aber einen guten Tisch direkt am Fenster und können so die Blitze und den prasselnden Regen bestens verfolgen. Unser Drei-Gänge-Menü, zum wirklich nicht übertriebenen Preis von 30 € und der gute Rosé gefällt uns allen ausgezeichnet, die Stimmung ist bestens.
Am nächsten Morgen fahren wir vier ein bisschen übers Land, wieder zu einem kleinen Markt in CAROMB. Guy und Brigitte sind genauso begeistert wie wir von der Landschaft rund um den majestätischen MONT VENTOUX und wir können ihnen nur beipflichten : es ist wirklich ein ganz besonders schönes Stückchen Erde ! Nur EINES fehlt uns in diesem Jahr, das Zirpen der Zikaden. Die sind leider Gottes der schrecklichen Hitze zum Opfer gefallen und regelrecht verhungert, da der Boden zu ausgetrocknet war und sie keine Insekten finden konnten. Ein ewiger Jammer, denn sie haben sich auch nicht fortpflanzen können….
Der Markt in Caromb ist nun wirklich winzig aber Guy lädt uns zum « Apero » und dann auch gleich noch zum Mittagessen ein, und das auf der Terrasse eines richtig zünftigen Bistrots mit Männern, die am Nebentisch Pfeife rauchen und Karten kloppen.Das Essen ist gut und die Stimmung glänzend, so dass die Beiden hochzufrieden nach Toulon zurückfahren.
Nun aber auf zum « groβen » Markt von SAULT, auf der wir schon öfter unsere Tischdecken gekauft haben. Heute ist der erste Tag ohne Sonne. Wir fahren auf der Straβe zum Mont Ventoux hoch, biegen aber auf ungefähr 1000m Höhe nach rechts ab und hinunter geht es nach Sault. Dort erwartet uns eine gewaltige Überraschung : Schuhe von RIEKER, hier in der tiefsten Provinz und dann auch noch im Ausverkauf !!! Da schlage ich doch glatt mit zwei Paar für Herbst und Frühling zu, jawohl !

Natürlich gibt es auch hier wieder wunderbare Stände mit Obst und Gemüse. An dem schönsten decken wir uns fûr die letzten Tage ein und ich frage höflich um Erlaubnis, ob ich knipsen darf. Die nette Händlerin ist sichtlich angetan von meiner Frage und erlaubt es gerne.

Am vorletzten Tag ist auf einmal der Mont Ventoux weg ! Eingehüllt in eine riesige Staubwolke, die von Afrika kommt und uns schrecklich schwüle Hitze bringt. Glücklicherweise sind die Rangen weg und wir können den Pool für uns haben – aber in der Nacht kann ich kaum vor Hitze schlafen. Pech, sogar hier hat sie uns eingeholt – dieser Sommer hatte es wirklich in sich ! Aber am letzten Morgen ist alles wie gehabt und wir fahren noch zu einem allerletzten Markt in PERNES-LES-FONTAINES, an der Nesque gelegen, wo ich noch ein gutes Kilo Mirabellen für meine Marmelade erstehe.

Gut zu wissen fürs nächste Mal : hier gibt es auch nicht nur eine sondern gleich zwei Tankstellen – wir hätten gar nicht bis nach Orange fahren müssen…. So heisst es nun wieder « Au revoir les cyprès », bis zum nächsten Mal vielleicht im Juni mit Kirschen und blühendem Lavendel.
Als ich die « DOMAINE DU SENS » für unseren Zwischenstop auf der Rückfahrt gebucht habe, hatte ich mir offenbar die Fotos auf der Internetseite nicht so richtig angesehen, denn das, was uns erwartete, hat mich richtiggehend umgehauen. Es ist nämlich ein 13 Hektar groβes Paradies, in dem sich Mensch, Tier und Natur aufs Beste verstehen ! Eine ganze Familie, aus Nordafrika stammend, hat sich hier mit viel Geld und noch mehr Arbeit etwas erschaffen, das ich nie vergessen werde.

Dies ist ein Haupthaus, mit Küche, drei Gästezimmern, einem Schlafsaal unter dem Dach für Gruppen und der Terrasse auf der gegessen wird.
Hundert mit Liebe gemachte Details ergeben das Gefühl, hier willkommen zu sein.

Das Zimmer ist klein aber fein mit Dusche und Toilette. Viel Holz und die Mauersteine sind .teilweise bemalt. Kissen und Decken sind angenehm kuschelig. Und drauβen – dazu kann man nicht Garten sagen ! – gibt es diese fast hundertjährige Weide mit nur EINEM Stamm. Sie steht sozusagen mit einem Bein im Wasser, denn unter ihr befindet sich eine Quelle, also kann ihr die Hitze nichts anhaben

Wir gehen hinunter, und da sieht sie noch majestätischer aus ! Hier gibt es Esel – die sich allerdings nicht bis zu uns Zaungästen hinbewegen, eine kleine und eine groβe Katze und drei entzückende Enten, die watscheln wie die Pinguine. Was mir sehr gefällt : die Dame geht voran und die Herren folgen brav !

Von hier unten bewundern wir auch das « Elternhaus », in dem auch der Bruder wohnt. Übrigens ist der Vater 78 und arbeitet 8 Stunden pro Tag irgendwo auf dem Gelände…
Der schöne Olivenbaum hat es uns angetan. Ebenso das leckere Essen, auf der Terrasse eingenommen.

Und das schönste Foto konnte ich an dem Abend machen. Mi ist einer Meinung mit mir : wir werden diesen Ort nie vergessen !


